Niedersachsen

Braunschweig

Diskussionsveranstaltung "Mobilität für alle"

Der VCD Braunschweig lud zu einer Diskussionsveranstaltung "Mobilität für alle - Frauen Macht Politik" ein. 4 Expertinnen hielten dazu kurze Impulsvorträge und es folgte eine rege Diskussion. Hier ein kurzer Rückblick:

Etwa 60 Interessierte waren der Einladung des VCD Braunschweig gefolgt um etwas über „Mobilität für alle“ mit dem Untertitel „Frauen Macht Politik“ zu erfahren. Allgemein sind zu dem Thema Mobilität meist die Männer in Überzahl, hier waren es die Frauen. Trotzdem waren etwa 1/3 Männer dabei. Susanne Gaus moderierte die Veranstaltung. Sie ist Mitglied im VCD und aktiv im adfc.

Anja Hänel (VCD Brandenburg) begann mit dem ersten kurzen Impulsvortrag mit dem Titel „Frauenpower für die Verkehrswende“. Fragestellungen waren zum Beispiel:

  • Wer ist mobil? Hier wurden Personen mit und ohne Familienarbeit unterschieden, die im Alltag ganz unterschiedliche Wegeketten zurücklegen.
  • Wer leistet Familienarbeit?
  • Wer entscheidet über Mobilität?

Dabei wurde klar dass Verkehr immer noch ein Männerthema ist. Aber es gibt zunehmend Frauen, die sich einmischen.

Vortragsfolien von Anja Hänel: Link

Sabine Kluth vom ADFC Braunschweig folgte mit dem Themenschwerpunkt „Radverkehr für alle – GenderPlaning“. Nach einer kurzen Vorstellung des adfc startete sie mit der Aussage „Frauen sind gute Indikatoren dafür, wie fahrradfreundlich Städte sind“. Es folgte die begründete Feststellung, dass Verkehrsplaner oft nur ein Teil der Radfahrer im Blick haben. Dabei werden die Interessierten aber besorgten zu wenig berücksichtigt, das sind oft Frauen, Kinder und alte Menschen. Der Anteil beträgt immerhin 60% der potenziellen Radfahrer. Es wurden nicht nur die Sorgen und Ängste genannt, sondern auch durch konkrete Beispiele in Braunschweig konkretisiert und bildhaft dargestellt. Die Fahrradinfrastruktur, Radwegenetze und die Radwege selbst sind hier wichtig.

Vortragsfolien von Sabine Kluth: Link

Juliane Krause (plan & rat Braunschweig) stellte Interessantes unter dem Titel „Die soziale Dimension von Mobilität“ vor. Zunächst einmal geht es um die Möglichkeit von Personen zur Ortsveränderung, aber auch um die tatsächliche Bewegung. Die Mobilität ist Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe am öffentlichen und sozialen Leben. Heute ist die PKW-Verfügbarkeit ein Garant für Mobilität. Menschen in prekären Verhältnissen, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen verfügen in der Regel nicht über ein Auto. Indikatoren für die soziale Dimension von Mobilität sind z.B.:

  • Verkehrssicherheit (objektiv, subjektiv)
  • Erreichbarkeit von Alltagsorten (incl. Barrierefreiheit)
  • Art und Umfang von Begleitmobilität
  • Nahräumliche Erschließung
  • Nutzbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel

Es folgten zahlreiche praktische Beispiele für Gruppen mit besonderen Mobilitätsanforderungen. Heute ist der öffentliche Raum nicht fair verteilt. Um das zu ändern müssen gegenüber früher neue Planungsgrundsätze gelten, z.B.: Stadt der kurzen Wege, Priorisierung von Rad, Fuß und ÖPNV, Gestaltung des Raums für Aufenthalt und Begegnung.

Vortragsfolien von Juliane Krause: Link

Claudia Fricke (Projektleiterin Mobilitätsentwicklungsplan) stellte zum Schluss der Impulsvorträge das Konzept für den Mobilitätsentwicklungsplan in Braunschweig vor. Das Leitziel ist: „Eine zukunftsorientierte Mobilität gestalten“. Die Menschen sollen sich besser in der Stadt bewegen können, d.h. die Mobilitätsangebote müssen nutzerorientiert, integriert und umweltverträglich gestaltet werden. Für die Erarbeitung sind umfangreiche Beteiligte vorgesehen:

  • Verwaltungsinterne Projektgruppe
  • Wissenschaftlicher Beirat
  • Expertenkreis
  • Lenkungsgruppe
  • und nicht zuletzt die Bürgerbeteiligung

Bei der Bürgerbeteiligung soll darauf geachtet werden, dass die Zielgruppen angemessen beteiligt werden. Hierfür sind eine entsprechende Kommunikation und zielgruppengerechte Ansprache geplant. Um die Beteiligung scherzustellen sollen Aspekte wie Beteiligungsformate, Erreichbarkeit und barrierefreier Zugang und Wochentag und Uhrzeit mitberücksichtigt werden.

Im Anschluss an die Vorträge folgte eine lebhafte Diskussion, die den geplanten zeitlichen Rahmen deutlich überschritt. Dies zeigt einerseits das Interesse und aber auch den Handlungsbedarf für eine gendergerechte Mobilität. Der VCD Braunschweig wird dieses Thema deshalb weiterverfolgen. Einerseits mit einer aktiven Beteiligung bei der Erarbeitung des Mobilitätsentwicklungsplans und andererseits um im VCD Aktivenkreis auch die Beteiligung von Frauen zu fördern.

Die Braunschweig Zeitung berichtete erfreulicherweise ausführlich über die Veranstaltung (mit Bezahlgrenze):

Link Braunschweiger Zeitung

Eindrücke von der Veranstaltung

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