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Hildesheim

Stellungnahmen von VCD und BUND zur Neuaufstellung des Nahverkehrsplans 2020 für den Landkreis Hildesheim

VCD Kritik an unambitionierter ÖPNV-Planung des Landkreises bei der Neuaufstellung des Nahverkehrsplans

Der Landkreis Hildesheim muss alle fünf Jahre seinen Nahverkehrsplan (NVP) überarbeiten. Der NVP ist die wichtigste Grundlage für die Planung und Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs in Stadt und Landkreis Hildesheim.

Der gegenwärtig noch gültige NVP stammt aus dem Jahr 2015. Daher ist eine Neuaufstellung erforderlich. Dazu hat der Landkreis einen Entwurf erstellt und diesen mit der Bitte um Stellungnahme an die am Verfahren beteiligten öffentlichen Stellen sowie auch einige Verbände und Vereine versendet, so auch an den VCD.

Der NVP-Entwurf vom Landkreises Hildesheim steht hier zum Download bereit: https://www.landkreishildesheim.de/nahverkehrsplan

Der VCD ist der Auffassung, dass mit der vom Landkreis vorgelegten Planung die Nutzung des ÖPNV nicht gesteigert werden kann und die Chance für eine Verkehrswende vertan wird. Denn der NVP-Entwurf rechnet in seinen Prognosen im Wesentlichen das jetzige Nutzerverhalten auf die kommenden Jahre hoch und begründet auf diese Weise, dass das derzeitige ÖPNV-Angebot ausreiche, ja dass man sogar froh sein könne, wenn man den Status quo erhalte. Dieses Vorgehen enthält einen elementaren Denkfehler, denn es wird nicht berücksichtigt, wie die Nutzung des ÖPNV sich entwickelt, wenn der Bürger einen wirklich guten und attraktiven Nahverkehr vorfindet.

Der Kreisverband Hildesheim des VCD hat deshalb die Gelegenheit genutzt und über eine umfangreiche Stellungnahme zum NVP-Entwurf hinaus auch etliche konkrete Verbesserungsvorschläge aufgeführt, um die Richtung aufzuzeigen, in die sich der ÖPNV im Landkreis in den kommenden Jahren entwickeln sollte. So schlagen wir beispielsweise vor:

  1. für die Buslinien des Landkreises als Zielbedienungsstandard montags bis samstags von 6-19 Uhr einen Stundentakt anzustreben, sonntags einen Ein- bis Zweistundentakt,

  2. im Stadtverkehr Hildesheim als Zielbedienungsqualität einen 10-Minutentakt auf allen sechs Hauptlinien an Werktagen von 6 – 21 Uhr festzulegen,

  3. die Gültigkeit des geplanten Kurzstreckentickets im Stadtverkehr von drei auf fünf Haltestellen auszuweiten wie in Hannover,

  4. Bereitschaftsbusse vorzuhalten, die nicht nur bei Störungen des Busverkehrs von Stadt und Landkreis, sondern auch bei ungeplanten Zugausfällen gegen Kostenerstattung durch die Bahnbetreiber eingesetzt werden,

  5. Stadt- und Regionalverkehr zu einem kundenorientierten Umgang mit Beschwerden zu verpflichten,

  6. eine Bürgerbeteiligung an größeren Fahrplanänderungen und kommenden Nahverkehrsplänen festzuschreiben,

  7. neben Himmelsthür, Marienburg, Tec-Center Wehrstedt, Mehle und Drispenstedt die Errichtung eines Bahnhaltepunktes Schellerten in den Nahverkehrsplan aufzunehmen,

  8. den Standort des zu reaktivierenden Bahnhofs Marienburg zum Park-and-ride- bzw. Bike- and-ride-Platz auszubauen,

  9. die Anschlüsse zwischen Bahn und Bus am Hauptbahnhof Hildesheim im Abendliniennetz durch eine einfache Fahrplanmaßnahme zu verbessern,

  10. zu verkehrsschwachen Zeiten das Kurzstreckenticket als „Happy-Hour-Ticket“ für beliebig weite Einzelfahrten anzubieten,

  11. Fahrpreiserstattung für ÖPNV-Nutzer durch Geschäfte der Innenstadt anzuregen,

  12. nur noch klimatisierte Busse anzuschaffen.


Und das Fazit unserer Stellungnahme:

Mit der vorliegenden Planung wird der Landkreis seiner Verantwortung für den Schutz der Umwelt und für die Lebensqualität seiner jetzigen und zukünftigen Bürger nicht gerecht. Ohne eine Anpassung der Zielvorgaben und ohne eine Planung von Angebotsausweitungen, die diesen Vorgaben entsprechen, empfehlen wir den Mitgliedern des Kreistags, dem Nahverkehrsplan nicht zuzustimmen.

 

Nach Abgabe unserer Stellungnahme haben wir dazu auch diese Pressmitteilung verbreitet.

 

Und auch der BUND Kreisverband Hildesheim hat eine eigene Stellungnahme erarbeitet, in der zusätzlich einige konkrete und wirklich gute Forderungen und Vorschläge für Verbesserungen aufgezeigt sind.

 

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