Niedersachsen

Auto & Straße, Verkehrspolitik, Infrastruktur
Wolfenbüttel

Stellungnahme des VCD Wolfenbüttel zum Parkraumbewirtschaftungskonzept

In der Stadt Wolfenbüttel wird derzeit in der Politik über die Parkraumbewirtschaftung diskutiert. Der VCD hat dazu eine Stellungnahme verfasst.

Grundsätze für eine nachhaltige Parkraumbewirtschaftung:

  1. Der öffentliche Raum gehört allen Bürgern der Stadt. Als Parkplatz ist er viel zu kostbar.
  2. Parken wird nur auf legalen Parkplätzen toleriert. Illegales Parken (auf Grünflächen, Geh- und Radwegen) wird konsequent geahndet.
  3. Die Stellplätze im öffentlichen Raum werden schrittweise reduziert.
  4. Alle Parkplätze im öffentlichen Raum werden bewirtschaftet.
  5. Der Preis steigt mit der Nähe des Stellplatzes zum Zentrum.
  6. Parken im öffentlichen Raum ist teurer als das Parken im Parkhaus. Das Parken im Parkhaus ist teurer als die Nutzung des ÖPNV.
  7. Kostenpflichtiges Anwohnerparken wird flächendeckend eingerichtet. Für Dienstleister und Lieferanten werden Kurzzeitparkplätze eingerichtet.
  8. Der Umweltverbund (zu Fuß gehen, Radfahren, ÖPNV, Park&Ride und Carsharing) als attraktive Alternative zum eigenen Auto wird gestärkt.
  9. Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung werden zweckgebunden für den Umweltverbund eingesetzt.

Wie wirkt sich eine umfasssende, flächendeckende und konsequente Parkraumbewirtschaftung nach den o.a. Grundsätzen auf die Menschen in der Stadt Wolfenbüttel aus?

...die zu Fuß unterwegs sind
Die Menschen erleben, dass die Stadt ihnen gehört und nicht den parkenden Autos. Sie
bewegen sich frei und entspannt auf den Gehwegen. Die Luft hat eine bessere Qualität;
wo es ruhiger ist und mehr Grün gibt, lebt die Kommunikation unter den Menschen auf.


...die mit dem Fahrrad fahren

Radverkehrsflächen sind frei von parkenden Autos.
Die Radfahrer haben eine gute Übersicht über das Verkehrsgeschehen können sich
entspannt und sicher fortbewegen.
Mehr Menschen trauen sich auf das Fahrrad und fahren dann vor allem auch gerne.


…die einkaufen und Erledigungen machen wollen
Auf freien und sicheren Fuß- und Radwegen ist es angenehm Besorgungen zu machen.
Für größere Entfernungen bieten sich (ergänzend) Bus und Bahn an. Für schwere
Einkäufe kann Lieferung vereinbart werden, man nutzt das Carsharing oder kostenfreie
Lastenräder.


...Kaufleute

Die Kunden kommen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bus und Bahn entspannt an.
Die mit dem Auto gekommen sind, haben direkt ihren Platz im Parkhaus gefunden.


… die Stadtverwaltung
Der “weiche Standortfaktor” Lebensqualität ist ein wichtiger Aspekt im Wettbewerb der
Stadt um die Ansiedlung von Zukunftsindustrien und um die besten Fachkräfte zu
gewinnen und halten zu können.


…die als Touristen die Stadt besuchen
Die Besucher lieben die Atmosphäre der ruhigen und grünen Stadt. Sie profitieren von
einer guten ÖPNV-Infrastruktur.

Maßnahmen und Aktionen:

Das Parken auf dem Stadtmarkt sollte wieder untersagt werden und der gesamte Bereich
zur Fußgängerzone erklärt werden. Das Gleiche gilt für den Harztorplatz.
Für die Stadt Wolfenbüttel heißt das, dass also ebenfalls der Teichgarten, der
Spinnereiparkplatz sowie die derzeit frei zu beparkende Fläche am Kino zu bewirtschaften
wären. Aufgrund der relativ hohen Zahl der gebietsfremden Langparker wäre hier
ein Tagesticket sinnvoll.
Zur Parksituation im Theaterumfeld sollte überprüft werden, ob dieses ausreichend mit
dem derzeitigen ÖPNV-Angebot erreicht werden kann. Darüber hinaus wird angeregt,
sogenannte Kombitickets anzubieten. Die „Brötchentaste“ sollte nicht eingeführt werden.
Durch die erzielten Einnahmen aus der regelmäßigen, geordneten und verlässlichen
Parkraumbewirtschaftung sollen die Alternativen zum PKW, in erster Linie der Stadtbus,
gestärkt werden.


Ziel sollte es sein, dass das Ticket für den Stadtbus nicht teurer als das
Abstellen eines PKW im öffentlichen Raum ist!

Mit diesen Maßnahmen wird unsere Stadt wieder ein Stück l(i)ebenswerter. Der
Aufenthalt an öffentlichen Plätzen wird attraktiver. Durch steigende Fahrgastzahlen
leisten wir einen Beitrag zum wirksamen Klimaschutz. Die Schadstoff- und Lärmbelastung
geht zurück. Wir gehen bewusster mit der immer knapper werdenden
Ressource „öffentlicher Raum“ um.
Wir erreichen mehr Sicherheit für Fußgänger*innen, Kinder, bewegungs- und sinneseingeschränkte
Personen.
Eine Revision, sowohl der durchgeführten Maßnahmen als auch der erzielten Ergebnisse
und Auswirkungen, sollte regelmäßig durchgeführt werden.

Quelle: Positionspapier Parkraumbewirtschaftung (Januar 2018)
Stellungnahme von BUND Bremen, VCD Bremen, FUSS e.V. Bremen und ADFC Bremen
Link: https://bremen.vcd.org/fileadmin/user_upload/Bremen/PDFs/Positionspapier_Parkraum_2018.pdf 

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