Niedersachsen

Pressemitteilung

Niedersachsens Bahnstrecken weiter elektrifizieren

24.07.2017 Hannover. Der ökologische Verkehrsclub VCD schlägt vor, die Bahnstrecken im nördlichen Niedersachsen verstärkt zu elektrifizieren. Damit kann Erdöl gespart und überschüssiger Windstrom sinnvoll verwendet werden.

Elektrolokomotiven und -triebwagen sind leiser als Dieselfahrzeuge und verbreiten vor Ort keine Abgase. Im Gegensatz zum Auto- und Lkw-Verkehr gibt es beim elektrischen Schienenverkehr bereits seit Jahrzehnten ausgereifte Techniken mit hoher Leistung und Reichweite.

„Es kommt leider immer wieder vor, dass die Stromnetzbetreiber Windkraftanlagen herunterregeln oder abschalten lassen, weil die elektrische Energie keine Abnehmer findet. Gleichzeitig wird nebenan Diesel verbrannt, um Züge zu betreiben.“ kritisiert Martin Mützel, Vorstandsmitglied im VCD Niedersachsen. Er weist darauf hin, dass im Alpenraum auch kleine Nebenbahnen seit Jahrzehnten elektrisch betrieben werden, weil dort billige Wasserkraft existiert. „Nun haben wir den Stromüberschuss im Norden und nicht einmal alle Hauptbahnen sind durchgehend elektrifiziert“, so Mützel.

Beispiele sind die Strecken von Cuxhaven nach Hamburg und von Cuxhaven nach Bremerhaven. Auf der Strecke nach Hamburg ziehen Diesellokomotiven stündlich über 370 t schwere Doppelstockzüge die etwa 120 km zum Hamburger Hauptbahnhof und zurück. Nur etwa die Hälfte der Strecke ist ist bereits elektrifiziert. Mützel: „Da aber ein Lokwechsel zu lange dauern würde, wird komplett mit Diesel gefahren“. Richtung Bremerhaven fehlt der Fahrdraht sogar gänzlich. 

Ein weiteres Beispiel ist die Verbindung Lüneburg – Lübeck (– Kiel). Mützel: „Mit einer Elektrifizierung käme man nicht nur sauber und leise von Lüneburg nach Lübeck oder sogar weiter bis Kiel. Es könnten auch Fernzüge von Hamburg Richtung Hannover über Büchen umgeleitet werden, wenn es zwischen Hamburg und Lüneburg Probleme gibt. Derzeit wird der Fernverkehr bei Streckensperrungen nördlich Lüneburg über Rotenburg und Verden umgeleitet. Celle, Uelzen und Lüneburg sind so regelmäßig vom Fernverkehr abgehängt.”

Beide Strecken sind im Bundesverkehrswegeplan als „Potentieller Bedarf” enthalten, werden also ohne politischen Druck vom Land und aus der Region in absehbarer Zeit nicht umgesetzt. 

Derzeit wird in Niedersachsen die Bahnstrecke Oldenburg – Wilhelmshaven ausgebaut und soll nach derzeitigem Stand ab 2022 auch elektrisch betrieben werden. Diese Maßnahme war bereits 2003 in den „Vordringlichen Bedarf” des Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden. Planung und Umsetzung dauern aus Sicht des VCD Niedersachsen zu lange. Ebenfalls im „Vordringlichen Bedarf” befindet sich die „Amerikalinie” Bremen – Uelzen (– Berlin), hierfür werden noch keine Termine genannt. 

Mit gutem Beispiel könnte das Land Niedersachsen vorangehen und endlich die Strecken der landeseigenen Eisenbahnen- und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) elektrifizieren. Das wäre ein großer Schritt zur Optimierung des Seehafenhinterlandverkehrs und würde gleichzeitig den Knoten Bremen entlasten.

Rückfragen:

Martin Mützel, VCD-LV Niedersachsen • Fon 0171 9335381 • www.vcd-niedersachsen.de

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