Niedersachsen

Landesverband Niedersachsen, Wolfenbüttel, Auto & Straße, Infrastruktur, Verkehrspolitik

Petition des VCD zu Tempo 80 auf Landstraßen

Der VCD Wolfenbüttel hat eine Petition an den niedersächsischen Landtag zur Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen eingereicht - u.a. zur Erhöhung der Sicherheit für Radfahrende, die jetzt auf der Homepage des Landtages eingestellt ist.

Der VCD-Landesverband Niedersachsen unterstützt diese Petition.

 

Wortlaut der Petition:

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit (Regelgeschwindigkeit) soll auf Landstraßen maximal 80 km/h betragen.

Das soll außerhalb geschlossener Ortschaften auf Landstraßen für Personenkraftwagen sowie für andere Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse bis 3,5 t gelten.

Warum?
Die meisten tödlichen Unfälle ereignen sich auf Landstraßen. Ist das aktuell?
Niedersachsen (Zahlen für 2020): „Weniger Menschen auf der Straße, weniger Unfälle: Im Corona - Jahr 2020 sind bei Verkehrsunfällen in Niedersachsen so wenig Menschen wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1953 gestorben. Lediglich bei den tödlichen Unfällen mit Straßenbäumen auf Landstraßen stieg die Zahl der Verkehrstoten um einen. Damit verlor ein Drittel aller Verkehrstoten bei Unfällen mit Bäumen das Leben (Boris Pistorius, Innenminister Niedersachsen im April 2021).“
Bundesweit: Die letzte Auswertung nach Straßen liegt für die Zeit von Januar bis November 2020 vor, sie deckt sich aber mit den Verhältnissen der vergangenen Jahre. 1.479 Menschen kamen in diesem Zeitraum durch Unfälle auf Landstraßen ums Leben, teilte das Statistische Bundesamt mit. Der Anteil an allen Getöteten im Straßenverkehr beträgt damit 58,7 Prozent. Dabei passiert dort nur rund ein Viertel aller Unfälle mit Personenschäden.

Wieso ist gerade das Fahren auf einer Landstraße so gefährlich?
Die wesentlichen Gründe: Zusammenstoß mit Gegenverkehr, Abkommen von der Fahrbahn, oft wegen überhöhter Geschwindigkeit. Die Fahrenden kollidieren mit einem Baum oder fahren in den Graben („Baumunfälle“ oder „Diskounfälle“). Vorfahrtsunfälle an Kreuzungen und Einmündungen.

Was sagen die Verkehrsexperten?
„Der weitaus größte Teil des Landstraßennetzes ist nicht für Tempo 100 geeignet. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen“, sagt Arnold P., Vizechef der Gewerkschaft der Polizei. Ein ADAC-Test bestätigt diese Ansicht: 89 Prozent aller zweispurigen Bundesstraßen sind sicherheitstechnisch in einem so schlechten Zustand, dass sie nur eine Ein- oder Zwei-Sterne-Bewertung erhielten. Die Forderung des Deutschen Verkehrsgerichtstages erscheint deshalb logisch und sinnvoll: Statt 100 km/h soll eine generelle Regelgeschwindigkeit von 80 km/h eingeführt werden. Auf gut ausgebauten Strecken könne man von dieser Grundregel abweichen und das Pkw-Tempolimit auf 100 km/h anheben, schlagen die Juristen und Unfallexperten vor.
UDV (Unfallforschung der deutschen Versicherer): „Die wirksamste Maßnahme zur Vermeidung von Baumunfällen ist jedoch die Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit in den entsprechenden Bereichen auf maximal 80 km/h.“

Wirkt sich das auch auf den Radverkehr aus?
Ein gutes Sicherheitsgefühl ist der wichtigste Aspekt für den Radfahrenden. Für den Radverkehr, auch bedingt durch die immer öfter anzutreffenden Pedelec-Fahrenden, ist es wesentlich sicherer, wenn der große Geschwindigkeitsunterschied des Autos gegenüber dem Fahrrad verringert wird. Aus eigener Radel-Erfahrung kommen einige gefährliche Überholvorgänge bei hoher Geschwindigkeit der überholenden PKW mit geringem Seitenabstand schnell wieder in ungute Erinnerung. Der seitliche Mindestabstand muss laut StVO 2 Meter betragen.
Und der Bau von notwendigen Radwegen an Landstraßen dauert mitunter Jahrzehnte. Darauf können und wollen wir nicht warten.
Auch für den Radtourismus spielt eine Absenkung der Höchstgeschwindigkeit eine wichtige Rolle. Der notwendige Sicherheitsaspekt wird hier natürlich auch besser berücksichtigt.

Hat das Einfluss auf den Klimaschutz?
Das Bundesverwaltungsgericht hat ja aktuell entschieden, dass das Klimaschutzgesetz nicht ausreicht und deutlich verbessert werden muss.
Ja, auch für den Klimaschutz hat die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf maximal 80 km/h eine wichtige Bedeutung: Bei Tempo 80 sinkt im Vergleich zu Tempo 100 der Ausstoß von Stickoxiden um 15 Prozent und der Kraftstoffverbrauch um fünf Prozent - zusätzlich fällt der Lärmpegel um zwei Dezibel. Das entspricht einer empfundenen Reduktion des Pkw-Aufkommens von rund einem Drittel.

Was sagt der Bundesverkehrsminister?
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer strebt an, die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland auf null zu senken. „Jeder Tote im Verkehr ist einer zu viel. Die Bundesregierung verfolgt eine Null-Verkehrstote-Strategie, durch die wir Jahr für Jahr die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr absenken wollen“, sagte der Bundesverkehrsminister Scheuer schon im März 2018 der „Rheinischen Post“. „Jeder Tote ist ein Toter zu viel.“ Mit einfachen Mitteln wie eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen in Deutschland können so viele Menschenleben gerettet werden. Und eine Einführung einer Regelgeschwindigkeit von maximal 80 km/h auf Landstraßen ist ein eindeutiges Signal und für jede/jeden nachvollziehbar.

Wir fordern daher den Verkehrsminister des Landes Niedersachsen auf, sich auf der Verkehrsministerkonferenz für ein Tempolimit von maximal 80 km/h einzusetzen.

Diese Forderung soll dann in den Bundesrat eingebracht werden. 

 

Vielen Dank, dass Ihr die Petition unter folgendem Link unterstützt.

Die Mitzeichnungsfrist endet am 13.Juli 2021.

 

zurück