Elbe-Heide
Wir begrüßen die Nachverdichtung innerstädtischer Bereiche anstatt neue Baugebiete am Stadtrand auszuweisen und damit Natur und Landschaften zu zerstören, zu einer Zersiedelung beizutragen und zusätzlichen Autoverkehr zu induzieren.
Wir möchten einige Aspekte anregen, sodass sie noch in späteren Versionen des Bebauungsplans berücksichtigt werden können.
Sehr geehrte Damen und Herren,
als VCD Elbe-Heide begrüßen wir die Nachverdichtung innerstädtischer Bereiche anstatt neue Baugebiete am Stadtrand auszuweisen und damit Natur und Landschaften zu zerstören, zu einer Zersiedelung beizutragen und zusätzlichen Autoverkehr zu induzieren.
Daher halten wir auch eine Nutzung des Postareals als Wohnraum oder Mischgebiet für sinnvoll, sofern z. B. eine Nutzung als lokales Verteilzentrum für Pakete aller Lieferdienste nicht möglich ist.
Wir möchten einige Aspekte anregen, sodass sie noch in späteren Versionen des Bebauungsplans berücksichtigt werden können.
1. Eine direkte Verbindung für Fuß- und Radverkehr von Hinter der Saline/Weißer Turm zur Sülztorstraße soll hergestellt werden. Aktuell lässt sich das Wohngebiet Weißer Turm von Osten nur über schmale (Fuß-)Wege und den Edeka-Parkplatz erreichen. Es sollte daher am nördlichen Rand des Baugebiets ein getrennter Fuß- und Radweg hergestellt werden. So kommen Personen aus Richtung Westen auch leichter zu der Radvorrangstrecke auf dem Fahrradstraßenring.
2. Das neue Quartier sollte im Innenbereich autofrei hergestellt werden. Hier wäre ein lebenswerter naturnaher Innenbereich möglich mit Sitz- und Spielgelegenheiten für alle Generationen. Das Quartier könnte so auch Modellcharakter für die weitere Entwicklung Lüneburgs haben. Es ist innenstadtnah gelegen, hat eine gute Anbindung an ÖPNV- und Fahrradinfrastrukturen und ist in fußläufiger Entfernung zu vielen Einrichtungen des täglichen Lebens. Falls das Quartier nicht autofrei wird, so sollte es zumindest Verkehrsberuhigter Bereich (Spielstraße) werden.
3. Auf die Herstellung von oberirdischen Stellplätzen und Tiefgaragenstellplätzen sollte verzichtet werden. Die niedersächsische Bauordnung wird derzeit novelliert, sodass die Herstellung von Parkflächen (nach aktuellem Stand) nicht mehr erforderlich sein wird. Tiefgaragen sind extrem ressourcenaufwändig und treiben die Kosten für Wohnraum in die Höhe. So wird der neu geschaffene Wohnraum für viele Lüneburger*innen nicht bezahlbar. Oberflächliche Parkflächen versiegeln unnötig Fläche, die auch für andere Zwecke oder zur Begrünung genutzt werden könnte. Es könnte eine Kooperation mit Edeka Bergmann in Erwägung gezogen werden, um den Kundenparkplatz durch Bewohner*innen mitzunutzen, z. B. auch begrenzt auf die Zeit, in der der Supermarkt geschlossen ist. Falls doch eine Tiefgarage geschaffen werden sollte, sollen dort auch Abstellplätze für Fahrräder und Lastenfahrräder hergestellt werden (siehe Aspekt 7).
4. Es gibt in Lüneburg außerhalb der Altstadt keine autofreien Quartiere für Menschen, die weitestgehend autofrei leben wollen. Da es sich um einen kompletten Neubau handelt, gibt es keine Verdrängungseffekte gegenüber Haushalten mit Kfz, vielmehr wird ein Anreiz für eine autoarme und damit nachhaltigere Lebensweise geschaffen. Aktuell haben Personen keine Wahl, sich für ein solches Modell in Lüneburg zu entscheiden, da auch allen neuen Baugebiete autozentriert gebaut werden.
5. Am Rand des Baugebiets sollte Platz für Carsharingautos vorbehalten werden.
6. In nordwestlicher Richtung sollte eine Bikesharing-Station von StadtRAD eingerichtet werden, diese würde dann nicht nur das neue Quartier, sondern auch das Wohngebiet Weißer Turm und den Edeka anbinden.
7. Es wird eine Vielzahl an Fahrradabstellanlagen unterschiedlicher Sicherheitsstufe benötigt. So braucht es Fahrradbügel, überdachte Fahrradbügel, Fahrradgaragen und abschließbare Fahrradgaragen, sodass den individuellen Abstell- und Sicherheitsbedürfnissen für verschiedene Kostenklassen von Fahrrädern Rechnung getragen werden kann. Teile der Abstellanlagen sollten auch den spezifischen Anforderungen von Elektrorädern und Lastenrädern entsprechen.
8. Bei den Baumaterialien der Gebäude sollte der Schwerpunkt auf ökologische Baustoffe wie Holz, Stroh und Lehm gelegt werden. Keines der Gebäude sollte mittels fossiler Energieträger geheizt werden, alle dafür verwendbaren Flächen sollten begrünt und/oder mit Solarenergieanlagen versehen werden.
9. Die Versiegelung der Oberflächen sollte pro Bewohner möglichst gering gehalten werden. Auf den Animationen ist zu erkennen, dass lediglich schmale Beete und Baumscheiben vorgesehen sind. Die Herstellung derart breiter versiegelter Straßen ist nur aufgrund der im derzeitigen Plan vorgesehenen Pkw-Abstellanlagen mitten auf dem Gelände notwendig. Zudem ist auch zu überlegen, ob die verschiedenen Höhen der Gebäude einen Vorteil für die Bewohner*innen bringen. Ansonsten könnten die Gebäude auch einheitlich größer gestaltet werden, um mehr Wohnraum pro überbauter Fläche zu schaffen.
10. Jedes neue Baugebiet braucht ein Mobilitätskonzept: wie sollen Verkehre hier stattfinden? Wie soll Mobilität für alle neuen Bewohner*innen hergestellt werden? Wie soll der Umweltverbund gefördert werden?
Bitte beziehen Sie alle Aspekte dieser Stellungnahme in ihre weiteren Planungen mit ein.
Mit freundlichen Grüßen
Jonas Korn, Vorstand Verkehrsclub Deutschland, Regionalverband Elbe-Heide