Blog – kinderleicht mobil

Hier startet gerade unser Blog – kinderleicht mobil. Patricia verrät darin ihre Eindrücke aus dem Familienalltag ohne Auto. Link zur aktuellen Ausgabe.

kinderleicht mobil #1 – 27.11.2024

Wer los muss, geht los – Oder: Wie bekommt man drei Schulkinder pünktlich zur Schule?

Wenn man morgens mehrere Kinder rechtzeitig auf den Weg bringen will, braucht man einen Plan. Bei uns hat jedes Schulkind tatsächlich seine eigene Aufbruchszeit – das hat sich über die Jahre so ergeben. Hat den Vorteil, dass der Garderobenbereich nicht aus allen Nähten platzt – in einer Großfamilie muss man pragmatisch denken ;-)
Bezogen auf unsere Alltagsorganisation werde ich oft von anderen Müttern oder Vätern gefragt: „Wie machst du das bloß? Und dann noch ohne Auto?“ Wenn ich morgens zur Rush Hour mal an unserer Grundschule vorbeikomme und die Autokarawane vor der Schule sehe, denke ich: „Wie schafft ihr das? Woher nehmt ihr die Zeit für den Chauffeurdienst an eurem Kind?“
Meine Arbeit beschränkt sich morgens aufs Wecken. Während die Kinder sich fertigmachen, bereite ich Butterbrotdosen vor. Es gibt eine gemeinsame Frühstücksrunde und wer los muss, geht los. Das war´s - und weiter im Programm.
Der Älteste fährt mit dem Bus zur weiterführenden Schule – er könnte in dem morgendlichen 10-Minuten-Takt auch ein oder zwei Verbindungen später nehmen, aber um diese Uhrzeit trifft er seine Kumpels - das holt ihn immer pünktlich aus dem Bett. Die Tochter nimmt einen kleinen Umweg in Kauf und trifft sich an der Straßenecke mit ihren Freundinnen, um dann an der Straße auf glattem Belag zur Schule zu rollern. Und unser Drittgeborener nimmt den direkten Weg durch unser Wäldchen, auf einem gut frequentierten Weg, weshalb ich eher von Park als Wald reden möchte. Wenn es jetzt morgens noch eher dunkel ist (aber durch die Zeitumstellung hatten wir da erst einmal wieder ein paar Wochen gewonnen), begleite ich ihn dieses Stück und biege danach an der Straßenkreuzung mit den Kindergartenkindern ab – so hat er es sich gewünscht und wir haben diesen Kompromiss gefunden.
Doch wie wird ein Kind so eigenständig im Straßenverkehr, dass es den Weg zur Schule sicher meistert? Wie es bei uns gelaufen ist, erfahrt ihr im nächsten Beitrag…
 

kinderleicht mobil #2 – 13.12.2024

Übung macht den Meister Oder: Wie bekommt man drei Schulkinder sicher zur Schule?

Gerade der Schulweg, wenn er denn sichere Straßenverhältnisse bietet, ist eine gute Möglichkeit, Kindern das eigenständige Bewegen im Straßenverkehr zu vermitteln, denn schließlich geht es um rund 200 Schultage im Jahr, an denen immer wieder der gleiche Weg hin und zurück bewältigt werden muss. Da kennt man irgendwann jede Gehwegplatte mit Namen... Und Routine wiederum gibt Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, um auch kompliziertere Situationen im Straßenraum zu meistern.

Etwas (mehr oder weniger) Arbeit kostet es natürlich am Anfang, den Nachwuchs in diese neue Mobilität zu begleiten, aber dafür fällt wiederum auch dem „Sorge“-Berechtigten das Loslassen leichter –Es ist ein Wachsen auf beiden Seiten!

Unser erstes Schulkind habe ich in den ersten Wochen nach der Einschulung - mein Fahrrad schiebend - zu Fuß zur Schule und von der Schule nach Hause begleitet. Die anderen (damals Kindergarten-) Kinder saßen im Fahrradanhänger und -kindersitz und von der Schule ging es dann gleich weiter zur Kita. Da es aber nicht so einfach ist, morgens alle auf einen Schlag losgehfertig zu haben, die Schule aber pünktlich beginnt, ergab es sich, dass mein „Großer“ sich schon einmal auf den Weg machte und ich ihn dann auf dem Weg wieder einholte. Nach und nach wurden diese Einholmanöver immer ausgeprägter – ich sah ja, dass er sich zielstrebig bewegte, an Straßenquerungen sich gut absicherte, bevor er hinüberging – und die Aufregung sank. Der Schritt, dass er dann ab den Herbstferien (alles in allem also nach zwei Monaten Schulwegbegleitung) alleine ging, war dann wiederum nur ein kleiner, aber ein großer für den Rest der Familie ;-)

Meine Tochter wiederum kannte den Weg ja schon durch die Begleitung noch als Kindergartenkind und sie war sehr stolz, schon ab dem dritten Tag den Weg alleine zu bewältigen. Für den Rückweg besprachen wir, dass die beiden Grundschüler nicht aufeinander warten sollten. Denn es gibt im Stundenplan immer mal lange oder kurze Tage und so wurde vermieden, dass einer wartet, obwohl der andere eine Stunde länger hat oder schon unterwegs ist. Meistens trafen sie sich irgendwann sowieso unterwegs.

Als das dritte Kind zur Schule kam, stellte es sich heraus, dass er längere Begleitung brauchte. Er ließ sich eher von der Umgebung ablenken und blieb bei einem interessanten Stein oder Schaufenster auch mal gedankenverloren stehen. So kam es, dass ich ihn tatsächlich während der ganzen ersten Klasse zur Schule begleitet habe. Für mittags hatten wir die Abmachung, dass er alleine nach Hause kommt und wenn es zu lange dauert, ich ihm entgegenfahre. So war ein Kompromiss gefunden, dass er seine Eigenständigkeit üben konnte, meine Sorgen nicht zu groß wurden, aber immer auch die Chance bestand, dass er dann doch stolz und glücklich vor der Tür stand, ohne dass ich mich auf den Weg gemacht hatte.

Eine Woche vor den Sommerferien war ich beruflich so eingespannt, dass wir den morgendlichen Ablauf komprimieren mussten. In einem Gespräch erklärte sich mein I-Männchen bereit, nun auch alleine den Hinweg zur Schule zu gehen. Wir achteten im Folgenden darauf, dass er wirklich rechtzeitig aus dem Haus kam – und es scheint geklappt zu haben, zumindest habe ich nie Beschwerden von Seiten der Schule zu hören bekommen. Nach den Sommerferien gab es dann gar keine Einwände: Wir wussten, dass er es schafft, und seitdem läuft es einwandfrei.

Doch bestimmte Befürchtungen lassen Eltern nie ganz los – die Zeitungen sind voll von schlimmen Nachrichten. Wie ich mit diesen Ängsten umgehe, erzähle ich euch im Januar, aber vorher berichte ich noch, wie wir ohne Auto unseren frisch geschlagenen Tannenbaum nach Hause bekommen – natürlich kinderleicht ;-)

kinderleicht mobil #3 – 23.12.2024

O du fröhliche Oder: Wie kommt man ohne Auto an einen Tannenbaum?

Der Zauber von Weihnachten macht für Kinder aus einem tollen Erlebnis im ersten Jahr schnell eine Tradition im nächsten. Wir hatten mal einen riesigen Baum bis zur Decke – und nun darf er auf keinen Fall kleiner sein als im Vorjahr. Ich bin ja ganz angetan von der minimalistischen Variante, bei der man ein paar kahle Äste der Größe nach sortiert horizontal an die Wand hängt und diese mit Lichterkette und Christbaumkugeln schmückt. Aber mich fragt ja keiner...

Und so zogen wir auch dieses Jahr wieder aus, den schönsten Tannenbaum des Misburger Forsts zu kühren, frisch zu sägen und nach Hause zu bringen. Da wir ja nun einmal kein Auto besitzen, greifen wir - traditionell ;-) - zur Freude der Kinder (und Passanten) auf unser Kettcar mit Anhänger zurück. Auf Waldwegen, abgelegen von Autostraßen, sind wir nur einen knappen Kilometer unterwegs und erleben unser alljährliches Bullerbü-Abenteuer. Es ist eine tolle Gemeinschaftsaktion. Vom jüngsten bis zum ältesten Familienmitglied haben alle Spaß und jeder nimmt eine aktive Rolle ein. Der Baum wird schonend transportiert (von dem Gewicht der Reiterin mal abgesehen) und die letzten Spuren der heruntergerieselten Nadeln lassen sich aus dem Anhänger am Ende der Aktion einfach auskippen.

Natürlich ist es noch einmal extra urig, dass wir den Baum selber schlagen können, aber der Spaßfaktor ist in der abgespeckten Version auf jeden Fall der gleiche. Denn bevor wir als Zugezogene davon erfuhren, dass das Baumschlagen im Misburger Wald an einem Samstag in der Vorweihnachtszeit möglich ist, zogen wir immer zum nächst gelegenen klassischen Verkaufsstand – damals noch mit Bollerwagen. Da so ein winterlicher Spaziergang hungrig macht, stärkten wir uns vor Ort mit einem adventlichen Picknick mit Plätzchen und Punsch, um uns später dann mit dem riesigen Tannenbaum im Schlepptau wieder auf den Rückweg zu machen. Man sieht übrigens auch Leute mit klassischen Fahrradanhängern, Lastenrädern oder Schubkarren – die Menschen sind kreativ. So oder so: es ist ein Höhepunkt in unserer Adventszeit und strenge Familientradition!

Und es wird deutlich: Das Leben ohne Standardlösung „mit dem Auto“ bietet einen bunten Strauß an Möglichkeiten. So wird der Alltag zum Abenteuer und am Ende vom Tag wissen alle, was sie getan haben.

Ich hoffe, der ein oder die andere von euch lässt sich durch diesen Einblick in unsere kinderleichte Mobilität im nächsten Jahr auch für das eigene Bewegungsfeld inspirieren. Nun aber wünsche ich erst einmal allen Leser*innen ein friedvolles Weihnachtfest! Eure Patricia

kinderleicht mobil #4 - März 2025

Eröffnen die Streiks im ÖPNV vielleicht auch eine Chance auf bessere Mobilität?

Unser Vorstandsmitglied Patricia Sawicki beschreibt in einem Videobeitrag für das Bündnis Hannover Steht Zusammen, warum die jüngsten Streiktage im öffentlichen Dienst, die unter anderem den ÖPNV in Hannover betreffen, auch eine wichtige Chance für die Fahrgäste sein können. Auf Grund von Personalmangel fallen beispielsweise seit Monaten an der IGS Roderbruch Busverbindungen aus, die für Schülerinnen und Schüler wichtig sind. Der VCD Hannover fordert von der Politik eine ausreichende und angemessene Finanzierung des öffentlichen Verkehrs. Das betrifft das Personal und die Infrastruktur.

An die Arbeitgeber*innen appellieren wir, frühzeitig auf Impulse der Angestellten zu hören. Jenseits der Lohnverhandlungen geht es diesen auch um wichtige Fragen der Arbeitsorganisation, um sicher und entspannt ihre Arbeit ausführen zu können.

Weitere Infos auf der Seite von Hannover Steht Zusammen.

 

 

kinderleicht mobil #5 - Januar 2026

Winter(alb)traum

Mal wieder so richtig Schnee - das letzte Mal hatten wir das vor 5 Jahren! Und dann noch schulfrei! Und Wochenende! Das war für uns wie ein 6er im Lotto. Auf den Schlitten und los: Zum Einkaufen, zur Kita, zum Rodelberg.

In den Medien kam über die Situation in Hannover viel Dramatisches: über ausfallenden Nahverkehr und nicht ausreichende Räumung des Winterdienstes. Über hohe Zahl von Unfällen auf spiegelglatten Straßen und viele Patienten mit Knochenbrüchen in den Notaufnahmen. Jetzt am zweiten Tag im Plusbereich sollte man meinen, dass sich alles wieder normalisiert. Aber auf den Gehwegen (von Radwegen will ich jetzt noch erst gar nicht anfangen) ist die Lage weiterhin äußerst kritisch. Und da frag ich mich: Wieso meckern wir so laut über öffentliche Dienstleistungen und akzeptieren so stillschweigend, dass die private Pflicht zum Schneeräumen vor der eigenen Haustür mehr schlecht als recht geleistet wird? Schüler mit schweren Schultaschen auf dem Rücken, Sehbehinderte, Menschen mit Krücken, Rollatoren, Kinderwagen, Leute mit schweren Einkaufstaschen oder großen Koffern, alle, die mal eben schnell zu Fuß von A nach B wollen - das sind nicht die, die von den Medien interviewt werden. Schade eigentlich - sie hätten einiges zu erzählen.

Hintergrund zum Blog

Hier schreibt Patricia, VCDlerin aus Überzeugung:

Die Alternative „Auto aus der Garage holen“ gibt es für uns nicht. Seit September 2020 besitzen wir kein eigenes Auto mehr. Stattdessen bewältigen wir den  Familienalltag mit unseren 5 Kindern im Stadtteil Misburg-Nord von Hannover zu Fuß, mit Fahrrad, Bus und Bahn und durchaus auch mal mit Leihwagen. Das geht ganz gut – wie gut, das schreibe ich an dieser Stelle anhand von Alltagssituationen.