Elbe-Heide

Winterdienst nach nordischem Vorbild: Seitenstraßen, Fuß- und Radwege zuerst

Diesen Winter gab es so viele Schneefälle wie lange nicht. Immer wieder mussten Straßen geräumt werden. In Deutschland werden in der Regel Hauptverkehrsrouten für den Autoverkehr, teils auch für den Radverkehr priorisiert, während das Räumen von Gehwegen den Anrainern obliegt und Nebenstraßen oft gar nicht geräumt werden. Diese Priorisierung ist nicht ohne Folgen: in Schweden wurde untersucht, dass 79 % der Fußgänger-Verletzungen im Winter passieren. Beispiele aus Schweden und Finnland zeigen, wie alte Denk- und Handlungsmuster durchbrochen werden können und dabei besser auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse eingegangen wird.

In Stockholm und anderen schwedischen Städten wurde bei Schneefall in der Vergangenheit wie so häufig vorgegangen: Lag Schnee, wurden erst die Haupt- und Verbindungsstraßen geräumt und dann die kleineren örtlichen Straßen. Doch nach Untersuchungen wurde das Konzept umgestellt: Erst räumte man die Fußwege und Seitenstraßen. „Wie sich herausstellte, hatte das enorme Auswirkungen. Die Ausgaben für Gesundheitskosten sanken, deutlich weniger Menschen suchten die Notaufnahme auf. Denn es ist erheblich weniger gefährlich, mit dem Auto vorsichtig durch Schnee zu fahren, als auf ungeräumten Fußwegen bei Glätte zu laufen“, so Theresa Korn vom VCD Elbe-Heide.

Ein weiteres spannendes Beispiel ist die finnische Stadt Oulu – die nördlichste Großstadt der EU und 2026 Kulturhauptstadt Europas. Sie gilt als eine der fahrradfreundlichsten Städte der Welt und ist insbesondere dafür bekannt, dass selbst im verschneiten Winter sehr viel Rad gefahren wird – mehr als doppelt so viel wie im deutschen Durchschnitt.

Oulu fördert den Radverkehr durch Infrastrukturmaßnahmen bereits seit den 1970er-Jahren und auch heute noch wird das Radwegenetz jährlich erweitert. Ziel ist ein möglichst komfortables Vorankommen der Fahrradfahrenden – dafür wurden unter anderem 320 Unterführungen, baulich getrennte Radwege und 6,5 m breite Fahrradschnellstraßen gebaut. So können Radfahrende auf vielen Strecken ohne Ampeln und damit zügig, sicher und bequem ans Ziel kommen.

Der Winterdienst arbeitet mit optimierten Fahrzeugen, die nicht die Schneedecke komplett abtragen und durch Salz die Reste schmelzen, sondern die die Schneeoberfläche mechanisch bearbeiten, sodass eine harte, raue Oberfläche entsteht. Die Bildung einer rutschigen Eisschicht bei Tauwetter wird durch das Streuen von Kies verhindert.

So fahren heute etwa 90 Prozent der Kinder in Oulu morgens selbst bei minus 20 °C mit dem Rad zur Schule und auch über 50 Prozent der Erwachsenen nutzen das Fahrrad für den Arbeitsweg.


Bilder: https://mega.nz/folder/XJcUHazK#NZ3ZRZlxaN9vAhnBgAKBAA

Quellen: https://katja-diehl.de/prioritaeten-bei-schnee-zeigen-die-machtverhaeltnisse-auf-der-strasse/ & https://www.innovatorsclub.de/aktuelles/welthauptstadt-des-winterradelns-oulu-in-finnland/

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