Pressemitteilung
Landesverband Niedersachsen
24.04.2017 Bremervörde. Auf der Jahreshauptversammlung des VCD-Landesverbandes Niedersachsen stand am 21. und 22. April in Bremervörde neben einer spannenden verkehrspolitischen Podiumsdiskussion eine Resolution zu touristischen Schienenverkehren auf der Tagesordnung. “Kleine Bahnen leisten in Niedersachsen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt von Strecken und historischem Wagenmaterial. Damit das auch so bleibt, sollten sie vom Land gefördert werden, so wie das auch in anderen Bundesländern funktioniert”, sagt Hans-Christian Friedrichs, Landesvorsitzender des VCD Niedersachsen.
Resolution:
Längst ist im Südwesten die Förderung von touristischen Schienenverkehren Realität. In Baden-Württemberg gibt es im Rahmen des Landeseisenbahnfinanzierungsgesetzes ein Schienenwegesicherungsprogramm bei dem auch Eisenbahnstrecken gefördert werden, die Potenzial besitzen, selbst wenn dort derzeit kein regelmäßiger Personen- oder Güterverkehr stattfindet. Auch Rheinland-Pfalz fördert seit 2016 mit 26 Millionen Euro solche Bahnstrecken, die künftig für Tourismus- und Güterverkehr zur Verfügung stehen können. Friedrichs: “Niedersachsen braucht das Rad also nicht neu zu erfinden. Wenn der Landesregierung aber der umweltfreundliche und zukunftsfähige Schienenverkehr am Herzen liegt, dann sollte sie noch in dieser Legislaturperiode handeln und ein wirkungsvolles Gesetz auf den Weg bringen.””
Mit touristischen Schienenverkehren hatte sich bereits im Dezember 2016 ein vom VCD ins Leben gerufenes Netzwerk aus Initiativen, Verbänden, Touristik- und Museumsbahnen befasst und eine Resolution verfasst, die nun auch von der Jahreshauptversammlung des VCD-Niedersachsen einstimmig bestätigt wurde. Der Resolutionstext ist im Anhang zu finden.
Podiumsdiskussion:
Die niedersächsischen Landtagswahlen am 14. Januar 2018 kündigen sich an. Die Parteien benennen Ihr Spitzenpersonal, stellen Listen auf und verabschieden Wahlprogramme. Der niedersächsische Landesverband des VCDs wollte von den im Landtag vertretenen Parteien wissen, wie ihre Verkehrspolitik denn ab 2018 aussehen könnte. Der ökologische Verkehrsclub hatte daher zu seiner Jahreshauptversammlung zu einer Podiumsdiskussion nach Bremervörde eingeladen. Nach den Impuls-Referaten aus Umwelt- und Naturschutz (Susanne Grube, BUND), Verkehrswirtschaft (Dr. Marcel Frank, EVB) und Wissenschaft (Prof. Dr. Uwe Höft, TH Brandenburg) hatte die Politik das Wort.
Für die Grünen stand Maaret Westphely, Sprecherin für Wirtschaft, Regionalentwicklung, Tourismus und Eine-Welt-Politik, dem Publikum Rede und Antwort. Sie wurde gefragt, welche Bedeutung Verkehrspolitik für die Grünen habe und wie man sich zukünftig besser gegenüber einem dominanten Koalitionspartner durchsetzen will. Der VCD hatte sich im Vorwege auch die jeweiligen Internetauftritte der Diskutanten angesehen und markante Aussagen thematisiert. So schreibt Gerd Will, SPD-Fraktionssprecher für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, “VW braucht Kraft und Unterstützung für die Zukunft.” Er wurde gefragt, wie er sich denn für die Opfer der Automobilindustrie einsetzt, die über Jahre in ihrer Gesundheit geschädigt und betrogen wurden. Für ihn ist auch das Dialogforum Schiene Nord “ein gutes Beispiel für gelungene Bürgerbeteiligung.” Den VCD interessierte, ob er denn auch das erzielte Ergebnis im Sinne der Wirtschaft für gelungen hält. Auf der Seite von Karl-Heinz Bley, Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft, Arbeit und Verkehr der CDU, prangt das Foto einer leeren acht-spurigen Autobahn und dem Titel “Rot-grüne Blockade beenden – Infrastruktur ausbauen” sowie weiterer Kritik an der aktuellen Landesregierung. Hier fragte man sich, warum sich die CDU so stark über die vermeintlichen Schwächen anderer definierte und wo denn die eigenen Stärken zu finden sind. Zuletzte wollte der VCD von Bley wissen, wer wohl der nächste Wirtschafts- und Verkehrsminister in einer CDU-geführten Landesregierung wäre. Alle drei wurden gefragt, wie sie denn die Mobilitätswende schaffen wollten.
Westphely und Will waren sich oft einig und verwiesen auf den Koalitionsvertrag und eine klare Abgrenzung in den Aufgaben. Auch wenn die grüne Verkehrspolitik kein Top-Thema ist, so findet sie doch im Wahlprogramm breiten Raum, sagte Westphely. Will beantwortete die Frage zu den Opfern der Automobilindustrie erst später auf Nachfrage. Er wies darauf hin, dass bei VW in Niedersachsen 120.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden. So ist auch das Ergebnis des Dialogforums Schiene Nord für Will ausreichend. Bley sagte, dass bestimmte Vorgänge in der Landesregierung auch deutlich kommentiert werden müssten. Beim Verkehrsminister wurde Bley deutlich: Bei Schwarz-Gelb könnte es gut sein, dass die FDP wieder Anspruch auf das niedersächsische Superministerium erhebt. Bei einer großen Koalition ist es wahrscheinlich, dass der Kollege Lies im Amt bliebe, so Bley. Westphely hat bei der Mobilitätswende einen besonderen Schwerpunkt auf dem Radverkehr, der Abschaffung von Dieselmotoren sowie zahlreichen Einzelmaßnahmen. Will sah VW im Vordergrund und den Umbau der Automobilindustrie, hin zur Herstellung von Elektro-Pkws. Aber auch der Ausbau des ÖPNV und das Stichwort Bürgerbus spielten eine Rolle. Bei Bley stand auch die Verlagerung von Güterverkehr von der Straße auf die Schiene im Fokus, aber auch der schnelle Ausbau der Straßeninfrastruktur. Alle drei taten sich schwer, Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Beispielsweise warum denn nicht ausreichend in die Schiene investiert würde, indem unter anderem statt eines Straßentunnels im Zuge der A 20 ein Eisenbahntunnel unter der Elbe hindurch gebaut würde. Den Schlusssatz “Für mich war der Abend ein Erfolg, wenn die A 20 …” vervollständigten die Landtagsabgeordneten wie folgt. Bley: “... schnell gebaut wird.” Will: “Wir sagen nicht, niemand plant eine Mauer, bzw. Autobahn zu bauen. Wenn wir planen, dann bauen wir auch, sobald die Planungen beendet sind”. Westphely: “... nicht gebaut wird”.
Vorstandswahl
Die JHV bestätigte Hans-Christian Friedrichs aus Reppenstedt bei Lüneburg im Amt als Vorsitzenden, Wilfried Jankowski aus Oldenburg und Harald Walsberg aus Braunschweig als Stellvertreter sowie Martin Zimmermann als Schatzmeister. Als Beisitzer wurde Dr. Wolfgang Konukiewitz wiedergewählt. Martin Mützel kam nach einer Pause wieder in den Vorstand.
Rückfragen:
Hans-Christian Friedrichs, VCD-LV Niedersachsen • Fon 0160 5541402 • www.vcd.org/nds
Resolution des Netzwerks aus Initiativen, Verbänden, Touristik- und Museumsbahnen sowie des VCD-Landesverbandes Niedersachsen zur Förderung touristische Schienenverkehre
Im Dezember 2016 trafen sich die Vertreter von Touristik- und Museumsbahnen auf Einladung des ökologischen Verkehrsclubs VCD, Landesverband Niedersachsen, in Hannover.
In Niedersachsen engagieren sich etwa 15 Organisationen mit dem Angebot „Touristischer Schienenverkehre“ auf Strecken, die teilweise gekauft, gepachtet oder auf der Basis von Trassenentgelten genutzt werden.
Diese Strecken verfügen in der Regel über keinen regelmäßigen Personenverkehr. Sie erschließen für den Tourismus wichtige Regionen. Wegen des teilweise nicht ausreichenden ÖPNV Angebotes übernehmen die Bahnen teilweise sogar SPNV-Funktionen.
Alle Bahnen eint, dass sie mit großem persönlichem Engagement betrieben werden, aber chronisch unterfinanziert sind! Einnahmen werden überwiegend aus dem Verkauf von Fahrkarten erzielt. Gelegentlich werden in geringem Umfang Zuschüsse von Kommunen gewährt. Der Zugbetrieb unterliegt der Kontrolle der Landeseisenbahnaufsicht. Die kostenintensiven Vorgaben der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung gelten auch für die Museums- und Touristikbahnen.
Nachhaltiger Tourismus wird von diesen Angeboten auf der Schiene erzeugt, weil beispielsweise Radfahrer und Wanderer in Regionen gelangen, die sonst nur mit dem Pkw zu erreichen sind.
Es besteht eine dringende Notwendigkeit in Niedersachsen zeitnah eine neue Form der Finanzierung einzuführen, wie sie z. B. schon lange mit guten Ergebnissen in Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg praktiziert wird.
Die Unterzeichner bitten die niedersächsische Landesregierung, noch in dieser Legislaturperiode aus Regionalisierungsmittel touristische Schienenverkehre zu bestellen.
Bremervörde, 22. April 2017