Wolfsburg,
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Verkehrspolitik
Wolfsburg
Gemeinsam mit dem ADFC Wolfsburg und der BUND Kreisgruppe Wolfsburg beziehen wir Stellung zur Gestaltung der Schillerstraße.
Vorweg ein großes Lob von Seiten der Verbände an die Verwaltung der Stadt Wolfsburg.
Im Arbeitskreis Radverkehr und im Lenkungskreis Verkehr wurde die Evaluation gut vom
Büro LK Argus Kassel und der Verwaltung moderiert und es konnte transparent, ergebnisorientiert
und offen diskutiert werden.
Die Einrichtung eines Radfahrstreifens auf der Westseite der Schillerstraße hat die Situation für die
Radfahrenden deutlich verbessert, insbesondere aufgrund zusätzlicher Leitborde und Warnbaken,
die leider aufgrund des regelwidrigen Verhaltens einiger Autofahrer nachträglich montiert werden
mussten. Der Radfahrstreifen wird gut angenommen, das regelwidrige Befahren des Gehweges
und das regelwidrige richtungsverkehrte Befahren des Radweges auf der Ostseite haben stark
abgenommen.
Auch die WVG und ihre Fahrgäste haben von der Einrichtung profitiert. An den Bushaltestellen
wurden niveaugleiche Einstiege durch 18 cm hohe Bordansichten (vorher 12 cm) errichtet und
gleichzeitig neue taktile Leiteinrichtungen nach geltenden Regelwerken verbaut.
Für ältere Menschen, Kleinkinder, Menschen mit Gehhilfe, Rollator oder Kinderwagen ist das
Busfahren durch die Einrichtung der Fahrbahnrandhaltestellen (in der Vorlage irrtümlich Kaps
genannt) deutlich gefahrloser geworden. Bei Bushaltebuchten muss ein Bus zweimal seitlich
verschwenken, sodass kurz vor der Haltestelle vermehrt die Gefahr von Stürzen besteht, wenn
Fahrgäste bereits aufgestanden sind oder noch nicht sitzen oder sich sicher halten.
Daher ist das „Halten am Fahrbahnrand“ mittlerweile die Regel- und Standardlösung in der
fortschrittlichen innerstädtischen Straßenplanung und entspricht auch den Vorgaben des
Regionalverband Nahverkehrsplans. Die Stadt Wolfsburg hat schon vielerorts Busbuchten (auch
mit Fördermitteln) entsprechend umgebaut. Erreicht wurde eine Beruhigung des Verkehrs und
einer Stärkung des Busverkehrs durch den Entfall der Einfädelungswartezeiten.
Der vorher befürchtete Konflikt zwischen Radfahrenden und ein- und aussteigenden Fahrgästen
beim Überschreiten des Radstreifens ist weitestgehend ausgeblieben, da eine deutliche
Kennzeichnung (Roteinfärbung und Piktogramme) umgesetzt wurde. Bushaltestellen mit
Überschreiten des Radstreifens sind in Wolfsburg bekannt, z.B. Haltestellen "Theater", "Raststätte"
und andere.
Bei der Vorstellung des Evaluationsberichtes wurde der Rückbau zu Busbuchten mit zweimaligem
Überqueren des Radfahrstreifens diskutiert, aber von allen Vertretern im Lenkungskreis Verkehr
(u. a. Vertretern aus Verwaltung, Polizei, Verkehrswacht sowie Gutachtern) aufgrund des hohen
Risikos ("Toter Winkel", fehlende Sichtbeziehung zwischen Gelenkbusfahrer und Radfahrer)
abgelehnt. Studien belegen einen Anstieg schwerer Unfälle im Verflechtungsbereich mit einem
Anstieg schwerer Personenschäden bei sog. Radfahrstreifen in Mittellage. Es ist davon auszugehen,
dass bei einem Rückbau vermehrt Radfahrende diese Gefahrensituation meiden und erneut
regelwidrig den östlichen Radweg in Richtung Süden befahren oder wieder den Gehweg nutzen
würden.
Die auftretenden sog. “Verlustzeiten” für wartende Autofahrer hinter den Bussen wurden sowohl
vom Gutachter als auch vom Lenkungskreis Verkehr als “vertretbar” eingestuft. Das Halten der
Busse am Fahrbahnrand in der sog. Poleposition, gleicht der bekannten und bewährten
Verkehrssituation auf der Schillerstraße in Fahrtrichtung Norden. Positiv bewertete die Evaluation
Stärkung und Vorrang des Umweltverbundes (Bus, Fahrrad, Fußverkehr) in der Innenstadt. Die
Stadt Wolfsburg hat sich bekanntermaßen zu weiteren Schritten zu einer klimaresilienten und
lebenswerten Innenstadt verpflichtet.
Insgesamt sprach sich der Lenkungskreis Verkehr einstimmig zur Beibehaltung der jetzt
hergestellten Lösung aus. Einzig die durch das regelwidrige Linksabbiegen einiger Autofaher
entstehende Gefahrensituation für Radfahrende (Überfahren des Radfahrstreifens) sollte durch
eine bauliche Nachbesserung entschärft werden, die Variante 1.1b wurde allgemein akzeptiert.
Der nächste Schritt ist die Abstimmung über die Vorlage in den Gremien.
Wer dem “Rückbau des Haltestellenkaps” zustimmt, muss sich bewusst sein
Wir halten es für sinnvoll, das Verkehrskonzept Innenstadt voranzubringen, und eine
zukunesfähige Gesamtplanung für die Schillerstraße mit dem Blick auf klimaresiliente und
lebenswerte Innenstadt für alle Verkehrsteilnehmer gleichrangig zu ermöglichen. Notwendige
Mittel für den ÖPNV und Radfahrende können als bundes- und landesweite Fördermittel oder über
Städtebaumittel akquiriert werden.
Aus den vorgenannten Gründen bitten wir darum, für den Beibehalt der geförderten Lösung zu
stimmen und dafür Punkt 2 des Beschlussvorschlages der Vorlage abzulehnen.
Gez. für den ADFC Wolfsburg: Dagmar Schaumburg
Gez. für den BUND: Klaus Mayr-Rauch
Gez. für den VCD: Jens Kunstmann